Laajavouri Bike Park in Jyväskylä – Finnland 2012

Peter - 5. August 2012

Hallo Leute,

dieses Jahr stand mal ein ganz anderer Sommerurlaub an. Wir fahren also nicht nach Süden Richtung Lago di Garda zum surfen und biken, sondern in den Norden ???!
Jepp in den Norden, genauer gesagt nach Finnland. Wie wir darauf gekommen sind, was wir dort so alles erlebt haben und wie dieser Urlaub auf uns gewirkt hat will ich in einem der nächsten Blogs auf traildiaries.de schreiben.

… Lange bevor wir den Urlaub angetreten haben stand für Bernd und mich (Bernd, Satu und Arne sind diejenigen, die uns nach Finnland eingeladen haben) fest, wenn wir es nur irgendwie hinbekommen unsere Regierungen davon zu überzeugen, dass es absolut wichtig ist auch in Finnland mal zu biken, dann geht´s ab in einen der bekannte Parks in Finnland (Levi).
Nachdem wir also die notwendigen Familienveranstaltungen / -programme hinter uns gebracht hatten, checkten wir die Flugverbindungen, Mietwagenkosten und Unterkünfte um mal eben schnell von Tampere (eher im Süden des Landes) nach Levi (doch etwas weiter oben) zu gelangen.
Abgesehen von den doch brutalst ernüchternden Inlandsflugkosten, stellten wir fest, dass der Levi Bike Park gar nicht mehr „der“ alleinige Kona Bike Park in Finnland ist. Ein weiterer „kleinerer“ Park liegt schlappe 165km östlich von Tampere, bietet angeblich einige Strecken und das Kona-Bergab-Sortiment.
Da gab es nicht viel zu überlegen, Satu (Homie) schreibt mal eben ne Mail (es war Sonntag) an den Park und bestellt das Equipement. Als die Antwortmail mit der Bestätigung einige Stunden später eintrudelt erfahren wir nebenbei, dass soeben (Sonntagabend) die finnischen Downhillmeisterschaften im Bikepark Laajavouri zu Ende gegangen sind. Na sauber!!! Das hätten wir ja mal früher rausbekommen sollen.
Egal, wir haben ja Urlaub.

Wir, Bernd und ich, machen uns dann an einem der folgenden Tage auf nach Jyväskylä. Gemütliche 80-100 km/h auf tatsächlich mit Asphalt überzogenen Straßen (ist auf Nebenstraße nicht unbedingt üblich), ein Traum! Die Landschaft ist super. Hin und wieder ein fetter Roadtrain oder eine kleine idyllische Ortschaft aber leider kein Elch. Als es nur noch ca. 20 km bis zum Park sind machen wir uns langsam Gedanken, denn…
…wir sehen einfach keine „Berge“. Ja, es ist hin und wieder hügelig und das Navi zeigt Höhen zwischen 50 und 175 m ü. NN an, hm.
In Jyväskylä angekommen geht´s dann erstmal derb steil abwärts in den Ort rein. Nicht lang aber mit nettem Gefälle – okay!
Mit etwas überhöhter Geschwindigkeit fahren wir Touristen durch den Ort und finden den Bikepark auf Anhieb.

Gute 2 Stunden später sind wir also da.

Die Bikestation ist in eine Sportzentrum integriert. In der unmittelbaren Umgebung gibt es nicht nur den Bikepark mit (wie sich später rausstellen soll) gefühlten 20 Strecken, sondern auch zahlreiche andere Sportangebote. So ist immer was los und das Ganze hier macht nen fett entspannten Eindruck.
In der Bikestation erfahren wir, dass im Winter hier Ski- und Snowboard 4X Rennen stattfinden und letztes Jahr hier sogar ein Worldcuprennen stattfand – nice.

Wir checken die Bikes und suchen uns passende Protektoren, Helme usw. zusammen. Nachdem wir alles haben bekommen wir auf unsere Frage, wie es denn mit Bezahlung, Sicherheiten (Pfand oder so) aussähe die Antwort: wie Ihr wollt, fahrt erstmal oder zahlt jetzt – egal, Hauptsache ihr habt Spaß.
Na das nenne ich mal Gottvertrauen. Wir begleichen die Rechnung und zahlen für 2 2012er Bikes, Helme, Protektoren, Googles, Jackets und den Lift 65€ p.P. – wir finden, dass das voll in Ordnung geht!
Alles angezogen, die Bikes eingestellt und ab zum Lift. Wir sind ca. 5 min vor Liftöffnung da und stellen fest…
… wir sind die Einzigen 😉

Na gut, kurz vor Start kommt noch ein Local angerollt, setzt sich auf ne Bank und scheint dem komischen hessischen Gesabbel der zwei Typen auf den Leihbikes zuzuhören.
Absolut untypisch für einen Finnen: „Hey Guys, are you here for your first time?“ – „Yes?“ – „Ok, if you like I can show you our park.“

Aber klar doch!

Unser Local heißt Jari und schneller als wir gucken können, hängt er im mittlerweile laufenden Schlepplift. Wir sofort hinterher. Oben angekommen stellt er uns die Strecken und Schwierigkeitsgrade vor.

Wir entscheiden uns alle, für eine leichtere Abfahrt zum warm werden. Unten angekommen geht´s sofort wieder in den Lift. Warteschlange à la Winterberg gibt´s nicht. Die nächsten 1,5 Stunden ballern wir Freeride-, Enduro- und derbe Downhillstrecken runter. Pausen gibt es keine, denn wie angedeutet, der Lift ist leer. Ausruhen im Schlepplift ist auch nicht wirklich drin…
Danke Jari haben wir keine Ausfallzeiten für Streckensuche oder machen Abfahren auf Trails, die uninteressant sind.
Der Tag scheint richtig perfekt zu werden. So kommt es auch, dass wir eigentlich keine Fotos machen und auch dieser Blog nur sehr mager mit Bildern ausgestattet ist.

Eine unserer Abfahrten geht natürlich auch über die Strecke der finnischen Downhillmeisterschaften – fett, fett!

Grundsätzlich kann ich sagen, dass der Berg nicht hoch ist und man daher nicht sehr viel Höhenmeter vernichten kann (am Stück). Jedoch kommt man durch die nicht vorhandenen Wartezeiten auf einige Abfahrten, die dann auch Pausen frei gut durchzufahren sind.

Zurück zur DH-Strecke. Start, zwei Doubles und danach sofort links in den Wald, Wurzeln, Steine, angenehmes Gefälle. Anfangs im Wald hat die Strecke derben Singletrail-Charakter mit kleinen Sprüngen und Anliegern. Einige Meter weiter kommt man um eine Rechtskurve auf 3 lines zu. Schnell entscheiden welche wohl die „Richtige / Beste“ ist. Zu spät schon durch und mitten in einem fetten Steinfeld, das mit einem Absatz in einen 90 Grad Linksanlieger endet. Uff, gerade so durchgefuddelt und nicht gestürzt. Im weiteren Verlauf lasse ich es dann etwas langsamer angehen. Wer weiß was da noch kommt.
Ach ja, Jari und Bernd fliegen übrigens immer so 2-3 Kurven vor mir durch den Wald und so bin ich mir an der ein oder anderen Stelle eben nicht so klar wo es nun lang gehen soll.
So kommt es wie es kommen muss. Kurve hier Kurve da, rum ums Eck und Frontflip über den Lenker, nix passiert – uiuiui. Alles wieder zusammengesammelt, die alten Knochen gecheckt und weiter geht´s! Ich komme noch an einigen Steilpassagen mit Wurzeln und Felsbrocken vorbei – echt geil hier.
Bernd und Jari sind, wie ich später unten erfahre, irgendwo abgebogen – da ich zu langsam war hab ich das wohl nicht mitbekommen 😉

Dafür darf ich dann noch so ein paar Steilpassagen runter und bevor es wieder auf ein mir schon bekanntes Stück geht, baller ich noch so ne Holzrampe runter die in einem fettes Rechtsanlieger endet, das Teil drückt einen richtig raus – super!

Ich rolle durch eine Passage mit Anliegern und Tables rüber zum letzten Teil dieser Strecke. Es kommen noch einige Tables, Anlieger und ein fetter Hipp am Ende.

Die Zwei sind natürlich schon da. Wir bequatschen die nächste Abfahrt und hängen auch schon wieder im Lift…

Jari musste dann wieder weg (er wohnt ca. 500m vom Lift entfernt) – Danke noch mal an dieser Stelle für das Guiding! Bernd und ich sind dann noch einige Male unser favoriten abgefahren. Unter Anderem einen netten Drop, den Jari hier mal hingezimmert hat.

Alles in allem kann ich sagen, dass es ein super geiler Tag war. Der Bikepark ist im Hinblick auf fahrerischen Anspruch gut mit Winterberg zu vergleichen auch in Punkto Streckenlänge, Steilheit etc. Ich wage zu behaupten, dass sogar einige Passagen durch die Felsen und Wurzeln schon als „little Todtnau“ zu bezeichnen sind. Von der Streckenvielfalt her muss ich sagen, dass er z.B. einem Park wie WiBe überlegen ist. Sogar die Endurostrecken, die wir hier gefahren sind, haben teils Gardaseeniveau und machen fetten Spaß.

Wer also mal einen etwas anderen Urlaub mit Bikeparkbesuch machen will – das ist eine echte Alternative !!!

Bikepark: /

Zu guter Letzt wird vor der Abreise natürlich ger Flüssigkeitsausgleich geschaffen.

Am Mökki (Sommerhaus am See auf finnisch) angekommen, schmeißen wir noch den Grill und die Sauna an, genießen den Sonnenuntergang (sofern man das so nennen darf) und lassen es gemütlich ausklingen…